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(Last modification: 22. October 2010)

 

Resveratrol Synthese in transgenen Pflanzen und anderen Organismen

 

Seitenaufbau

Note: Die Zitate plus Zusammenfassungen sind in einer separaten Seite: Hier

Link zu einigen interessanten Übersichtsartikeln (neu 22.10.2010)

 


 

Transgene Pflanzen

 

   Wenn Sie wirklich gerne Resveratrol wollen, aber nicht so gerne Pillen nehmen wollen: Zumindest theoretisch könnten Sie das mit ihrer täglichen Nahrung erreichen. Eine ziemlich grosse Anzahl von Pflanzen wurden inzwischen per Gentransfer mit Stilbensynthasen so verändert, dass sie Resveratrol bilden. Ich bin aber nicht so optimistisch, dass irgendwelche dieser Pflanzen bereits verwendet werden. Es ist tatsächlich zur Zeit kaum vorstellbar, dass dies in Deutschland passiert, bei der Aggressivität der Gentechnik-Gegner.

   Wenn man sich die Publikationen ansieht, wird klar, dass Resveratrol als medizinisch interessantes Supplement zunächst nicht der Grund für solche Experimente war; sie wurden durchgeführt, um mit den Phytoalexin-Eigenschaften von Resveratrol und anderen Stilbenen erhöhte Resistenz der Pflanzen gegen Pilze und Bakterien zu erhalten.

   Ein guter, neuer Review, auch wenn er ein bisschen einseitig auf die Weinrebe und ihre Stilbensynthase eingeht: Delaunois et al. (2009).

 

Pflanze
(mit Link zu Wikipedia)

Zitate und kurze Kommentare
 

Arabidopsis thaliana

 

Yu et al., 2006;
-> Warum Arabidopsis? Vermutlich weil diese Arbeit die erste Stilbensynthase aus einer Monokotyle funktionell untersuchte, die aus Sorghum bicolor (Hirse)

Luzerne (Medicago sativa)

 

Hipskind et al., 2000;
-> Phytoalexin-Funktion:
Aber wie wäre es mit Resveratrol als Supplement für das liebe Vieh, wie beim Menschen?

Apfel (Malus domestica)
 

Szankowski et al., 2003; Rühmann et al., 2006;
-> Für Äpfel als Quelle von Resveratrol !

Weinrebe (Vitis vinifera)
 

Fan et al., 2008; Coutos-Thévenot et al., 2001;
-> Für Krankheits-Resistenz (Rolle als Phytoalexin)

Hopfen (Humulus lupulus)



 

Schwekendiek et al., 2007;
-> Nach Aussage der Autoren: "sts transgenic hop plants could display enhanced pathogen resistance against microbial pathogens, exhibit new beneficial properties for health, and open new venues for metabolic engineering": Konkret: Wie wäre es mit der Idee, auf diese Art und Weise Resveratrol ins Bier zu bringen?
-> tatsächlich enthält Hopfen bereits sowieso Resveratrol und Piceid (Sucrose-Derivat): Callemien et al., 2005; Jerkovic et al., 2005; Jerkovic and Collin, 2007; Jerkovic and Collin, 2008.

Kiwi (Actinidia deliciosa)

 

Kobayashi et al., 2000;
-> anscheinend gab es keine erhöhte Krankheitsresistenz, aber Resveratrol in den Früchten könnte ein medizinisch interessantes Supplement sein

Salat (Lactuca sativa)
 

Liu et al., 2006;
-> Nahrungsmittel-Ergänzung mit Resveratrol !

Monocotyle


   - Gerste (Hordeum vulgare)
   - Reis (Oryza sativa)
   - Weizen (Triticum spp.)
 

-> anscheinend für Phytoalexin-Bildung: Gibt es da auch gezielte Ansätze, Resveratrol in den Körnern zu haben?

Leckband and Lörz, 1998; 

Stark-Lorenzen et al., 1997; Tian et al., 1998
Leckband and Lörz, 1998; Fettig and Hess, 1999;Liang et al., 2000Serazetdinova et al., 2005;

Papaya (Carica papaya)
 

Zhu et al., 2004;
->
Krankheitsresistenz

Erbsen (Pisum sativum)
 

Richter et al., 2006;
->
Krankheitsresistenz

Raps (Brassica napus L.)
 

Hüsken et al., 2005;
-> Körner mit Resveratrol !

Erdbeere (Fragraria x ananassa)
 

Hanhineva et al., 2009
-> Keine Stilbene gefunden, obwohl das Metabolitenprofil verändert war

Monterey-Kiefer (Pinus radiata)
 

Höfig et al., 2006;
-> interessanter Ansatz, um männliche Sterilität zu erreichen !

Rehmannia glutinosa


 

Lim et al., 2005;
-> Diese medizinisch interessante Pflanze soll auch ein bisschen Resveratrol enthalten: Die Stilbensynthase aus der Erdnuss wurde übertragen, um höhere Resveratrolkonzentrationen zu erhalten

Tabak (Nicotiana tabacum)


 

Hain et al., 19901993; Fischer et al., 1997; Zhong et al., 2004; Schmidlin et al., 2008;
-> Pathogen Resistenz 

-> Fischer et al.: Effekt von Resveratrol auf männliche Sterilität beim Tabak!
 

Tomate (Lycopersicon esculentum)



 

Thomzik et al., 1997; Giovinazzo et al., 2005; Morelli et al., 2006; Schijlen et al., 2006; Nicoletti et al., 2007; D'Introno et al., 2009; Ma et al., 2009;
-> Hier scheinen die fortschrittlichsten Experimente zu sein, die Resveratrol direkt in die Früchte bringen wollen!

-> Interesant: Eine Publikation behauptet sogar, dass Resveratrolglucosid (Piceid) in normalen Tomaten vorhanden ist, aber nur in der Haut der Früchte, nicht im Fleisch (
Ragab et al., 2006)

Silber-Pappel (Populus alba)
und
Zitter-Pappel (Populus tremula)
 

Giorcelli et al., 2004;
-> Viel Resveratrol-Glycoside, aber keine erhöhte Resistenz gegen Rost-Krankheiten
Seppänen et al., 2004;
-> Resistenz gegen Pilze

 

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Andere Organismen

 

Zellkulturen aus menschlichen Zellen



 

Zhang et al., 2006
-> Neuere Arbeiten zeigen, dass man den Stoffwechselweg von den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin zu Resveratrol durchaus in menschlichen Zellkulturen einbauen kann, durch Transfer einiger weniger Gene. Da Standard-Aminosäuren als Vorstufen verwendet werden, muss man nicht einmal Vorstufen füttern, um Resveratrol zu erhalten!

Hefe (z.B. Saccharomyces cerevisiae)





 

Gonzalez-Candelas et al., 2000; Becker et al., 2003, Beekwilder et al., 2006, Zhang et al., 2006; Trantas et al., 2009;
-> Die Expression des Stoffwechselwegs von Phenylalanin zu Resveratrol funktioniert auch in Hefe. Der interessante Aspekt dabei: Bei Verwendung solcher Hefe-Stämme bei der Wein- und Bier-Herstellung könnte zusätzliches Resveratrol einbringen. Auf diese Art und Weise könnte man Resveratrol in Bier und Weissweine einführen!

Streptomyces venezuelae
 
Park et al., 2009
-> Die erste Publikation mit Expression in Streptomyceten

E. coli




 

Watts et al., 2006; Beekwilder et al., 2006; Katsuyama et al., 2007a; Katsuyama et al., 2007b; Horinouchi 2009
-> Und wie wäre es mit E. coli? Diese Bakterien kann man nicht nur für die Produktion rekombinanter Chalcon- und Stilben-Synthasen verwenden (für funktionelle Untersuchungen der Enzyme in vitro),  sondern man kann E. coli auch leicht dazu bringen, Resveratrol in vivo, d.h. in den Zellen, zu synthetisieren. Wäre es nicht eine tolle Idee, solche Bakterienkulturen als Ergänzung in der Darmflora zu haben?

 

Link zu Übersichtsartikeln

 

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Einige Kommentare

  • "Funktionelle Lebensmittel"
    -  Bei der Literatursuche nach transgenen Pflanzen mit Resveratrol-Biosynthese kann man diesem Begriff nicht entgehen, und da ich mir eigentlich noch nichts drunter vorstellen konnte (naiv, wie ich war) fragte ich mich, was das wohl bedeuten sollte: Normalerweise gibt es ja zu jedem Begriff das Gegenteil, aber hier? Nicht-funktionelle Lebensmittel? Ich hatte immer gedacht, dass Lebensmittel per Definition und Name funktionell sind, aber so einfach ist das wohl nicht. Hier muss man sich wohl von der ursprünglichen Bedeutung von" funktionell" verabschieden. 
       Zitat aus Wikipedia:
    "Functional Food (auch Nutraceutical - von nutrition = Ernährung und pharmaceutical = Pharmazeutikum), auf deutsch funktionelle Lebensmittel, sind Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen (Nahrungsergänzungsmittel) angereichert werden, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben sollen. Zugesetzt werden vor allem Vitamine, Mineralstoffe, Bakterienkulturen und ungesättigte Fettsäuren. Eine gesetzliche Definition für diese Produkte gibt es bislang in Europa nicht.
    - Die Definition ist wohl nicht einfach, und die Wikipedia-Seite führt auch die Kritikpunkte an. Aber pflanzliche Inhaltsstoffe werden sehr häufig verwendet, da viele als gesundheitsfördernd gelten. Das sollte auch für Resveratrol gelten, auch wenn die Wikipedia-Seite das (noch) nicht erwähnt. Also sind transgene Pflanzen mit Resveratrol funktionelle Lebensmittel? Eigentlich schon, nicht wahr.

  • "Bio-Lebensmittel" (english: "organic food")
    - Auch wenn es bei den Definitionen etliche Grauzonen gibt, eines scheint klar zu sein, laut Wikipedia
      "Als Bio-Lebensmittel werden Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft bezeichnet. Der Begriff ist in der EU gesetzlich definiert. Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und wurden ohne Einsatz konventioneller Pestizide, Kunstdünger oder Abwasserschlamm angebaut. Das Fleisch stammt von Tieren, die nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden. Die Produkte sind nicht ionisierend bestrahlt und enthalten weniger Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel".
    - Also wie ist das mit Resveratrol in transgenen Pflanzen? Auch wenn es noch so gesund ist und als funktionelles Lebensmittel durchgehen könnte: Als Bio-Lebensmittel würde es nicht akzeptabel sein.
    - Es sieht gerade so aus, als ob "funktionelle Lebensmittel" und "Bio-Lebensmittel" in den meisten Fällen nicht unter einen Hut zu bringen sind. Eigentlich schade.
    - Aber vielleicht gibt es in manchen Fällen Wege, dies Problem zu umgehen. Beispiele (vielleicht gibt es noch mehr?):
       - Hirse (Sorghum bicolor) enthält ein Stilbensynthase-Gen (SbSTS1), welches vermutlich an Pathogen-Resistenz beteiligt ist (Yu et al., 2005); die Funktion wurde auch durch transgene Expression in A. thaliana gezeigt (s. Tabelle oben). Mit den heutigen Methoden der klassischen Züchtung sollte es vermutlich möglich sein, die Expression des Gens in den Samen zu erreichen, und damit Hirse mit Resveratrol zu erzeugen. Das wäre dann "funktionell" ohne gentechnische Veränderung.
       - Bananen (Musa cavendish) enthalten Resveratrol-Dimere (Hölscher et al., 1996). Zwar wurden sie bisher nur in Rhizomen gefunden, aber wäre es denkbar, durch Züchtung die Expression des Gens für die Resveratrolsynthase in den Früchten zu erreichen?  Das wäre dann "funktionell" ohne gentechnische Veränderung.

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