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Verwandtschaftsbaum von Typ III PKS in Bakterien  (PDF-Datei)
Komplexe Ringfaltung: 1,3,6,8-Tetrahydroxynaphthalen
CHS-Typ: 2,4-Diacetylphloroglucinol in Pseudomonaden
STS-Typ: (S)-3,5-Dihydroxyphenylglycin in Streptomyceten
STS-Typ: Alkylresorcinol Biosynthese in Streptomyces
STS- und Pyron-Typ Ringfaltung: Cystenbildung in Azotobacter vinelandii
Pyrone: Germicidin in Streptomyces coelicolor
'Orphans': Pyronsynthasen aus Mycobacterium tuberculosis und Bacillus subtilis
Neu im August 2010: Ungewöhnlich: Stilbensynthese im Bakterium Photorhabdus luminescens     
                                        
 

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(Last modification: 30. November 2009)

 

Siehe unten: Links zu den besprochenen  Proteinen

 

Typ III Polyketidsynthasen (PKS) in Bakterien

 

     Für einige Zeit dachte man, dass Typ III PKS [Chalconsynthasen (CHS) und verwandte Proteine] pflanzenspezifisch sind, und dass sich die prinzipielle Enzymfunktion nach der Evolution des Phenylpropan-Stoffwechsels entwickelte.  Wir wissen jetzt, dass dies falsch ist.
     In den letzten Jahren wurde sehr klar: CHS ist nur das bekannteste Mitglied einer Superfamilie von Proteinen, die in Pflanzen  wichtige Rollen in sehr verschiedenen Stoffwechselwegen innehaben. Wir wissen jedoch relativ wenig darüber, wann sich diese funktionelle Variation im Einzelfall entwickelte. CHSs sind allgegenwärtig in der  Pflanzenwelt, aber die anderen Enzym-Aktivitäten und ihre Produkte nicht, und deshalb (und aus anderen Gründen) scheint es sehr wahrscheinlich, dass sich alle diese funktionellen Varianten aus CHS entwickelten. Die für die Evolution der Stilbensynthase (STS) benutzten Argumente  (Tropf et al., 1994) können problemlos für die anderen pflanzlichen Mitglieder der Proteinfamilie verwendet werden.
    Dann bleibt immer noch die Frage: Woher kam die CHS? Haben wir irgendwelche Hinweise auf ihren Ursprung? Deshalb sind die Befunde aus den letzten Jahren so wichtig, dass es CHS-verwandte Proteine bereits in Bakterien gibt. Daraus  könnten wir potentiell viel darüber lernen, wie sich diese Proteinfamilie entwickelt hat. Allerdings drängt sich aus einigen Publikationen der letzten Jahre auf, dass möglicherweise nicht der CHS-Typ die Basis war, sondern die Synthese von Pyronen, und möglicherweise sogar von Stilben-Typ Molekülen?
   Der Vergleich von Proteinsequenzen zeigt, dass alle Pflanzenproteine "weit weg" von den bakteriellen Proteinen gruppieren, und quantifiziert heisst dies, dass die Sequenz-Ähnlichkeiten nur in der Grössenordnung von 20 bis 25 % Identität auf der Proteinebene sind. Es gibt anscheinend keinen "fliessenden Übergang"; jedenfalls lässt er sich so nicht erkennen. Wichtiger ist deshalb, dass die durch die Kristall-Struktur identifizierten funktionell bedeutsamen Schlüssel-Aminosäuren vorhanden sind, und zwar an den Positionen, an denen man sie erwartet: Dies gilt z.B. für das Cystein im aktiven Zentrum, und das Histidin und das Asparagin, die beide  Schlüsselrollen für die Enzymaktivität haben.  Man muss daraus schliessen, dass die prinzipiellen Mechanismen dieser  Enzyme viel älter sind als bisher angenommen.
     Weiter im Verständnis der (funktionellen)  Evolution werden wir vermutlich nur kommen, wenn wir die Funktion der Proteine in Bakterien kennen. Die für die Pflanzen typischen Produkte solcher  Proteine (z.B.  Chalcone, die CHS-Produkte, oder Stilbene, Acridone, usw.) oder ihre Derivate sind in Bakterien nicht bekannt (schicken Sie mir bitte eine Nachricht, wenn Sie so etwas finden)! Aber die funktionellen Variationen dieser Proteine und damit die denkbaren Produkte sind bereits in Pflanzen ausserordentlich flexibel: Denkt man an die Verwendung verschiedener Substrate, Variation in der Zahl der Kondensations-Reaktionen, und Variationen im Typ der Ringfaltungen zu den Endprodukten; ganz  zu schweigen von Modifikationen von Intermediaten durch andere Enzyme, wie z.B. in der Biosynthese der 6'-Deoxychalcone.  Sind Bakterien in dieser Beziehung noch variabler (erfindungsreicher?), und ist es möglich, dass die Pflanzenproteine nur einen Teil der denkbaren funktionellen Variationen benutzen? Es sieht ganz so aus, auch wenn nur wenige bakterielle Funktionen im Detail analysiert wurden. Man könnte vermuten, dass sich die pflanzliche CHS (möglicherweise als pflanzliche "Urform") aus nur einer bestimmten Variante in Bakterien entwickelt hat, und dass alle pflanzlichen Variationen sich von dieser einen "Ur-CHS" ableiten. Im Moment ist dies nur eine Hypothese, und wir haben keine gute Vorstellung davon, wie ein solcher bakterieller Vorläufer der  pflanzlichen CHS  wohl ausgesehen hat.
     Die folgenden Seiten versuchen eine einfache Zusammenfassung der Funktionen, die bei  bakteriellen Typ III Polyketidsynthasen identifiziert wurden.

 


 

Organisation der Seiten über Typ III PKS in Bakterien

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Zitate auf dieser Seite

 

  • Tropf, S., Lanz, T., Rensing, S.A., Schröder, J. and Schröder, G.: Evidence that stilbene synthases have developed from chalcone synthases several times in the course of evolution. Journal of  Molecular Evolution 38, 610-618 (1994).
        Chalcone (CHS) and stilbene (STS) synthases are related plant- specific polyketide synthases that are key enzymes in the biosynthesis of flavonoids and of stilbene phytoalexins, respectively. A phylogenetic tree constructed from 34 CHS and four STS sequences revealed that the STS formed no separate cluster but grouped with CHS from the same or related plants. This suggested that STS evolved from CHS several times independently. We attempted to simulate this by site-directed mutagenesis of an interfamily CHS/STS hybrid, which contained 107 amino acids of a CHS from Sinapis alba (N-terminal) and 287 amino acids of a STS from Arachis hypogaea. The hybrid had no enzyme activity. Three amino acid exchanges in the CHS part (Gln-100 to Glu, Val-103 to Met, Val-105 to Arg) were sufficient to obtain low STS activity, and one additional exchange (Gly-23 to Thr) resulted in 20-25% of the parent STS activity. A kinetic analysis indicated (1) that the hybrids had the same Km for the substrate 4-coumaroyl-CoA but a lower Vmax than the parent STS, and (2) that they had a different substrate preference than the parent STS and CHS. Most of the other mutations and their combinations led to enzymatically inactive protein aggregates, suggesting that the subunit folding and/or the dimerization was disturbed. We propose that STS evolved from CHS by a limited number of amino acid exchanges, and that the advantage gained by this enzyme function favored the selection of plants with improved STS activity.
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  • Gross, F., Luniak, N., Perlova, O., Gaitatzis, N., Jenke-Kodama, H., Gerth, K., Gottschalk, D., Dittmann, E., Müller, R., 2006. Bacterial type III polyketide synthases: phylogenetic analysis and potential for the production of novel secondary metabolites by heterologous expression in pseudomonads. Archives of Microbiology 185, 28-38.
    Type III polyketide synthases (PKS) were regarded as typical for plant secondary metabolism before they were found in microorganisms recently. Due to microbial genome sequencing efforts, more and more type III PKS are found, most of which of unknown function. In this manuscript, we report a comprehensive analysis of the phylogeny of bacterial type III PKS and report the expression of a type III PKS from the myxobacterium Sorangium cellulosum in pseudomonads. There is no precedent of a secondary metabolite that might be biosynthetically correlated to a type III PKS from any myxobacterium. Additionally, an inactivation mutant of the S. cellulosum gene shows no physiological difference compared to the wild-type strain which is why these type III PKS are assumed to be "silent" under the laboratory conditions administered. One type III PKS (SoceCHS1) was expressed in different Pseudomonas sp. after the heterologous expression in Escherichia coli failed. Cultures of recombinant Pseudomonas sp. harbouring SoceCHS1 turned red upon incubation and the diffusible pigment formed was identified as 2,5,7-trihydroxy-1,4-naphthoquinone, the autooxidation product of 1,3,6,8-tetrahydroxynaphthalene. The successful heterologous production of a secondary metabolite using a gene not expressed under administered laboratory conditions provides evidence for the usefulness of our approach to activate such secondary metabolite genes for the production of novel metabolites.
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File History:

  • 30.11.2009: Update on links, corrections

  • 26.07.2009: Update on links to pages discussing the proteins

  • 22.06.2009: Addition of  the Cyanobacterium protein: Synechococcus type III PKS

  • 11.03.2009: Reorganization of Files on Bacterial Type III PKS

  • 26.02.2009: Update, Streptomyces griseus: Alkylresorcinole       

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