Research Report Laboratory Dr. P.
Emschermann
Universität Freiburg
Institut für Biologie III
Schänzlestrasse 1
D-79104 Freiburg i. Br.
Germany
Biologie und Ökologie der Kamptozoa (Entoprocta), und
ihre stammesgeschichtliche Stellung im Beziehungsgeflecht der Spiralia /
Protostomia
Projects
Publications
A. Biologie, Ökologie und Biogeographie der
Kamptozoen polarer Meere
Mitarbeit im Antarktisprogramm Dr. U. Wirth
Als Teilnehmer der POLARSTERN-Expedition ANT VIII/5 während des antarktischen
Polarsommers 1989/90 konnte ich in Lebenduntersuchungen an Bord zu Ökologie,
Fortpflanzungsbiologie und biogeographischer Ausbreitung der Kamptozoen im
atlantischen (Weddell-Meer) und atlantopazifischen (Bransfield Strait) Bereich
der antarktischen Faunenregionen reiches Daten- und Tiermaterial gewinnen,
welches in den folgenden Jahren ausgewertet und unter anatomischem und
ultrastrukturellem Aspekt aufgearbeitet und mit entsprechendem pazifisch/antarktischem
und arkti-schem Material verglichen werden konnte. Zudem wurden mehrere neue
Arten beschrieben. Die Antarktisarbeiten wurden im Rahmen des
DFG-Schwerpunktprogramms "Antarktisforschung mit vergleichenden Untersuchungen
in arktischen Eisgebieten" durchgeführt.
1. Biogeographie
Kamptozoen sind sehr kleine sedentäre Strudler mit geringer
Ausbreitungskapazität und somit prädestiniert zur Artbildung unter
geographischer Separation lokaler Populationen. Erstaunlicherweise erwies sich
die zirkumantarktische Kamptozoenfauna nicht homogen, pazifische Arten waren im
atlantischen Sektor bis auf eine Ausnahme nicht vertreten. Dementgegen zeigte
sich eine in keinem andern Fall bis jetzt so deutlich ausgeprägt bipolare
Verbreitung mehrerer extrem kaltstenothermer Arten in den nord- wie südpolaren
Zonen des atlantischen Beckens - Hinweis auf einen kontinuierlichen Genfluß
zwischen den Polarseen und somit auf eine kontinuierliche Besiedlungsbrücke
entlang der bisher nur spärlich untersuchten altlantischen Tiefseerinnen.
2. Wirtskonstanz und Wirtsspezifität
Der stammesgeschichtlich ursprünglichen Gruppe solitärer, epizoischer Kamptozoen
(Loxosomatiden) schreiben die meisten Autoren eine hohe Wirtsspezifität zu. Im
Vergleich des Wirtsspektrums identischer Arten aus Arktis und Antarktis und in
Substratbesiedlungsversuchen zeigte sich, daß i.d.R. zwar in beiden
Faunengebieten vikariierende Invertebratenarten als Wirte bevorzugt werden, daß
für die Habitatwahl der Loxosomatiden aber eher der typische Lebensraum der
Wirtstiere mit seinen spezifischen physikalischen Bedingungen und
Nahrungsangeboten verantwortlich ist als eine physiologische artspezifische
Wirtsbindung.
3. Anpassungen an klimatische Extrembedingungen
Bei zwei spezifisch polaren Arten konnten Anpassungsphänomene an
Extrembedingungen beschrieben und genauer untersucht werden, zwar ohne
stammesgeschichtliche Bedeutung, jedoch paradigmatisch als Neuerwerbungen
aufgrund derartiger Selektionsdrucke: (1) der Gewinn einer hohen Regenerations-
und damit Überdauerungspotenz (Loxosomella antarctica) in einer
Tiergruppe, die sonst aller Regenerationsfähigkeit ermangelt und (2) die "Erfindung"
lassobewehrter Klebkapseln, den Spirocysten der Coelenteraten analog, die den
ursprünglichen Kleinpartikelstrudlern den Übergang zu räuberischer Lebensweise
in einem planktonarmen Lebensraum ermöglichen (Loxosomella brochobola
nov.spec.)
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B. Untersuchung der stammesgeschichtlichen
Stellung der Kamptozoen innerhalb der Spiralia / Protostomia nach 18S rRNA
Sequenzvergleichen
Zusammenarbeit:
- Dr. J. Garey, L. Y. Mackey, Dept. Biol. Sciences Duquesne Univ.,
Pittsburgh, USA
- Dr. B. Winnepenninckx / Dr. R. de Wachter, Dept. Biochemie, Universiteit
Antwerpen, Belgie
- Dr. T. Backeljau Koninklijk Belgisch Instituut voor Natuurwetenschappen,
Brussel, Belgie
In Zusammenarbeit mit den oben genannten Gruppen konnten die umstrittene
stammesgeschichtliche Stellung der Kamptozoa und ihr Verhältnis zu den Bryozoa
weiter geklärt und damit früher von mir aufgrund morphologischer Befunde
gezogene Schlüsse gesichert werden. Kamptozoen und Bryozoen nicht miteinander
verwandt. Die von NIELSEN geforderten Homologien zwschen beiden Gruppen sind
Konvergenzen. Der "acoelomate" Bauplan der Kamptozoen ist kein ursprüngliches
Merkmal, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit durch Reduktioin aus einem
coelomaten Bauplan hervorgegangen. Ein Geschwistergruppenverhältnis zu
Polychaeten ("neotene Trochophorae") ist anzunehmen.
Die entsprechenden Untersuchungen mit molekularbiologischen Methoden werden
z.Zt. zusammen mit der Arbeitsgruppe Garey, Pittsburgh, fortgesetzt.
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Publications
- Emschermann, Peter (1993) On Antarctic Entoprocta: Nematicyst-like
Organs in a Loxosomatid, Adaptive Developmental Strategies, Host
Specificity, ans Bipolar Occurence of Species. Biol. Bull. 184, 153 -
158 (1993)
- Emschermann, Peter (1993) Lime-twig glands: A unique Invention of an
Antarctic Entoproct. Biol. Bull.185, 97 - 108 (1993)
- Emschermann, Peter (1994) Kamptozoa In: J. Schwörbel und B. Zwick (Hrsg.)
Süßwasserfauna von Mitteleuropa I / 2-5: Cnidaria: Hydrozoa und Kamptozoa.
Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1994.
- Emschermann, Peter (1994) Die Kamptozoen antarktischer Gewässer. In: C.
Wiencke und W. Arntz (Hrsg.): Benthos in polaren Gewässern. Berichte zur
Polarforsch. 155, 54 - 57 (1994)
- Emschermann, Peter (1996) Kamptozoa (Entoprocta) Kelchwürmer. In: W.
Westheide und R.Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Tl 1: Einzeller und
Wirbellose. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1996.
- Emschermann, Peter und Eckart Härle (im Druck). Biologie für Mediziner
und Naturwissenschaftler. Lehrbuch der allgemeinen Biologie. F.K.Schattauer
Verlagsgesellschaft, Stuttgart.
- Mackey, L.Y., B. Winnepenninckx, R. de Wachter, T. Backeljau, P.
Emschermann and J.R. Garey (1996) 18SrRNSA Suggests That Entoprocta Are
Protostomes, Unrelated to Ectoprocta. J. Mol. 42, 552 - 559 (1996)
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