Institut für Biologie II
Wiederaufbau nach 1945 - Bauten, Räumlichkeiten und heutiger
Zustand
Das Institut für Biologie II, in dem der Schwerpunkt der Forschung
auf den Pflanzenwissenschaften liegt, gründet in den weit zurückliegenden
Wurzeln der Botanik in Freiburg. 1932 war Friedrich Oehlkers als
Professor für das Fach berufen worden und blieb es –
trotz erheblicher Bedrohungen während des Dritten Reiches (er
war mit einer Jüdin verheiratet) – bis zu seiner Emeritierung
im Jahr 1960. Er leitete nach 1945 auch den Wiederaufbau des nördlich
des Botanischen Gartens in der Schänzlestraße gelegenen
Botanischen Institutes, das während des Krieges schwer beschädigt
worden war. Ein Teil der Mauer des Rundbaues jenes Institutes bildet
zur Erinnerung – mittlerweile fast völlig von Efeu bedeckt
– die Ostwand des sog. „Altbaues“ in der Schänzlestraße.
Mit der Berufung von Hans Mohr im Jahr 1960 ging die Entfaltung
der Biologie zügig voran – begünstigt durch die
Empfehlungen des Wissenschaftsrates zum Ausbau der Universitäten
und die Bewilligung neuer Lehrstühle durch das Kultusministerium.
Der Neubau eines „Biozentrums“ in der Schänzlestraße
wurde in Aussicht gestellt. Somit konnte mit der Planung der Institute
für Biologie II und III und deren Einbindung in eine neue Fakultätsstruktur
begonnen werden.
Ab 1962 wurden die vier neuen Lehrstühle des Instituts für
Biologie II besetzt, zu denen neben Hans Mohr (Allgemeine Botanik
und Pflanzenphysiologie) Hans Grisebach (Biochemie der Pflanzen),
Otti Wilmanns (Geobotanik), Gerhart Drews (Mikrobiologie) und Peter
Sitte (Zellbiologie) gehörten. Die Bauzeit des neuen, fünfstöckigen
Institutsgebäudes mit dem danebenliegenden Hörsaaltrakt
in den Jahren 1964-69 war für alle Beteiligten eine schwierige
Phase. Das gemeinsame Ziel und das stabile gegenseitige Vertrauen
ließen aber keine ernsthaften Spannungen aufkommen. Die Lehrstühle
für Botanik sowie Geobotanik und Zellbiologie waren im alten
Botanischen Institut auf engstem Raum untergebracht; die Mikrobiologie
und die Biochemie waren vorübergehend in der Chemie zu Hause.
Als Prototyp eines damals neuartigen, modularen und technisch wie
architektonisch großzügig konzipierten Entwurfs steht
das Gebäude bis heute unter Denkmalschutz. In Freiburg ist
der Neubau Chemie in der Albertstraße als Parallelbau gleicher
Grundkonzeption und Bauausführung errichtet worden. Während
jedoch die Chemie als dominantes Hochhaus mit je zwei Flügeln
und insgesamt zehn Stockwerken das Institutsviertel prägt,
wurde das Institut für Biologie II/III dem einzigartigen Standort
mitten im Botanischen Garten gerecht: auf fünf Stockwerke Höhe
begrenzt, dafür aber als vierflügliger, architektonisch
leichter Komplex in einem Materialmix aus Beton, Stahl, Glas und
Aluminium errichtet. Die vier Flügelkomplexe sind statisch
vom Gebäudekern entkoppelt und werden einzig von jeweils neun
außen kaum sichtbaren Stahlbetonsäulen getragen. Insgesamt
verfügt das Gebäude über eine Labor-Nutzfläche
von ca. 7.000 m2 (1.-5. OG, dies ohne Verkehrsflächen) sowie
Kurs- und Seminarräumen im EG von ca. 1.500 m2. Hinzuzurechnen
sind labor- und haustechnische Infrastrukturflächen im ausladenden
Kellerareal des Hauses von weiteren 6.000 m2. Diese teilweise hoch
spezialisierte Infrastruktur mit Inkubationsräumen, Phytokammern
und Thermokonstanträumen war als einzigartiger Standortfaktor
mit Grundlage für den heute sichtbaren Erfolg der biologischen
Forschung in Freiburg.
Auf den Neubau des Institutsgebäudes folgte 1969 die komplette
Umgestaltung und Modernisierung des Botanischen Gartens, der in
der deutschen Landschaft der Gärten insofern eine Besonderheit
darstellt, als er nicht im Besitz und unter der Verwaltung der Stadt
steht, sondern der Botanische Garten der Universität Freiburg
ist. Unter Leitung seines damaligen Direktors Dieter Vogellehner
(der gleichzeitig eine Professur für Botanik innehatte) wurden
im Freiland Pflanzenarten einerseits in Form eines evolutionären
Stammbaumes, andererseits pflanzengeographisch angeordnet. So befinden
sich z.B. im Bereich des „Alpinums“ Pflanzen aus verschiedenen
Gebirgen und Bergregionen wie den Alpen oder dem Himalaya. In mehreren
Teichbecken werden Pflanzenarten gezeigt, die sich an die besonderen
Lebensbedingungen am oder im Wasser angepaßt haben. In den
großen Gewächshäusern finden sich die tropischen
und subtropischen Pflanzenarten, u.a. eine reiche Kakteensammlung.
Nach rund 35 Jahren Standzeit wurde das Institut in der Schänzlestraße
während der letzten fünf Jahre in einer aufwendigen Generalsanierung
– dies bei laufendem Forschungsbetrieb! – gründlich
modernisiert. In drei unabhängigen Bauabschnitten wurde zuerst,
unter Einhaltung der Auflagen der Denkmalbehörde, die Außensanierung
vorgenommen. Anschließend wurden im zweiten Bauabschnitt die
Bereitstellung der neuen Zentraltechnik sowie die Verbesserung des
Brandschutzes umgesetzt. So war es notwendig, das Gebäude um
eine Dachzentrale für technische Infrastruktur aufzustocken.
Diese wurde mit modernster Lüftungs-, Klima- und Regeltechnik
ausgestattet. Ein vorrangiges Sanierungsziel war die Verbesserung
der energetischen Bilanz, um die hohen laufenden Betriebskosten
für die notwendige vielfältige Infrastruktur des Hauses
zu senken.
Aktuell läuft als dritte Phase die sog. Flächensanierung.
Nahezu alle vorhandenen Labor- und Lehrbereiche wurden neu geplant
und optimiert. Der interaktionsfördernde Charakter des Hauses
konnte erhalten und gestärkt werden. So ist das Gebäude
heute optimal den sich ändernden Bedürfnissen der modernen
molekularbiologischen Forschung angepaßt und bietet ideale
Vorraussetzungen, um im sich verschärfenden Wettbewerb um die
besten Forschungsstätten zu bestehen. Abgeschlossen werden
soll die Sanierung mit einem beantragten vierten Bauabschnitt. In
einem neu zu bauenden Trakt soll die seit 15 Jahren provisorisch
im Foyer des Hauses untergebrachte Bibliothek endlich adäquat
repräsentiert sein. Der jetzige Standort der Bibliothek im
Foyer des Hauses blockiert die früher vorhandenen Studien-
und Lehrräume für Studierende und isoliert die Hörsaalbereiche
vom Hauptgebäude. Die aktuell gegebenen Arbeitsbedingungen
für die Studierenden und das Lehrpersonal sind daher in diesem
Bereich unattraktiv und dringend verbesserungswürdig.
|